Lawinenkurs 6/7. Jänner 2018 am Wiesberghaus, Dachstein
von Walter Laserer

Es war tatsächlich ungewöhnlich. Manchmal kommt es vor, dass am Treffpunkt einer Veranstaltung der eine oder andere Teilnehmer verspätet ankommt – vor allem bei weiter Anreise aus einem der Ballungsräume. Diesmal waren aber alle pünktlich da, und – um einen Teilnehmer mehr als angekündigt. Zum Glück konnten wir auf der Hütte noch ein Plätzchen finden….

Wir hatten großes Wetterglück. Einige Tage vor dem geplanten Kurs hatte extrem wechselhaftes Wetter besonderen Einfluss auf die Schneedecke ausgeübt und besonders Regen in tiefen Regionen und heftiger Wind in den höheren Regionen boten ein schönes Anschauungsmaterial für die Teilnehmer.

Am Zustieg zum Wiesberghaus suchten wir uns als erste Stelle für ein Schneeprofil einen schattseitigen nördlich ausgerichteten Hang. Nach dem Erstellen eines kleinen Blocktestes und der Einweisung in das Messen der Steilheit war es mir ein besonderes Anliegen, den Teilnehmern selbständiges Denken und „Bergsteigen mit offenen Augen“ nahe zu bringen. Vor allem bei der Einschätzung der Lawinengefahr ist es sehr sehr wichtig, ständig das Gelände und die Schneedecke im Auge zu haben.

Wir wechselten sodann auf die Sonnseite und suchten uns im späten wunderbar warmen Licht des ausklingenden Tages noch eine Stelle mit einem anderen Schneedeckenaufbau. So konnten wir schön erkennen, was der Regen in der Schneedecke verursacht und welchen Einfluss die Sonne hatte.

Der Empfang am Wiesberghaus war wie immer sehr freundlich, und besonders die Vorfreude auf guten Kuchen und Kaffee machte uns den folgenden Theorieunterricht schon schmackhaft. Die folgenden Stunden besprachen wir die verschiedenen Grundlagen der Lawinenkunde und auch die Vor- und Nachteile der verschiedenen Beurteilungsstrategien.

Am nächsten Tag in der Früh konnten wir über die Regengrenze aufsteigen, viele interessante selbst ausgelöste Lawinen beobachten und ein weiteres Schneeprofil graben. Wir sahen, dass hier oben der Wind einen völlig anderen Schneedeckenaufbau verursachte als der Regen in den tieferen Regionen.

Den Abschluss des intensiven Wochenendes bildete die obligate Suche mit den verschiedenen Lawinen Pieps Geräten. Schon beeindruckend, wie sich hier die Technik weiterentwickelt hat – von den analogen Geräten bis hin zu modernen digitalen 3 Antennen Geräten.

Bei einer Abschlussübung konnten wir dann noch hautnah erleben, wie wichtig eine Struktur im Falle eines Unglückes ist. Durch systematisches Überlegen und Einteilen der Kräfte kann man enorm viel Zeit gewinnen.

Fazit des Wochenendes:  immer den Hausverstand einschalten, mit offenen Augen ins Gelände gehen und „eine Station v o r der Endstation aussteigen“.

PS: Danke Christoph von http://www.hochzeits-fotograf-graz.at/ für das Video!